
Lonza steht stark da und will sich weiter fokussieren
Es könnte als Warnschuss für die Konkurrenz verstanden werden, wenn die Schweizer Lonza mit ihren sehr guten Geschäftszahlen zugleich betont, sich noch stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren zu wollen. Zudem wird in der Schweiz mit etwas Sorge gesehen, dass das Unternehmen die zukünftigen strategischen Investitionen nur noch im Ausland plant. Vielleicht rutscht deshalb – trotz guter Bilanz – der Kurs um einige Franken nach unten.
Lonza kann im Geschäftsjahr 2025 auf eine starke Bilanz verweisen. Der Basler Auftragsentwickler und -hersteller (CDMO) erzielte einen Umsatz von 6,5 Mrd. CHF und wuchs währungsbereinigt um 21,7 Prozent. Mit einer CORE-EBITDA-Marge von 31,6 Prozent übertraf das Unternehmen nicht nur den Vorjahreswert, sondern auch die zuletzt angehobene eigene Prognose. Noch wichtiger für Investoren und Kunden: Lonza nutzt die operative Stärke konsequent, um seine strategische Neuausrichtung voranzutreiben.
Investitionen klar auf Biologika und komplexe Modalitäten fokussiert
Ein zentraler Pfeiler der Strategie ist der gezielte Kapitaleinsatz. 2025 investierte Lonza 1,3 Mrd. CHF in Sachanlagen, was knapp 20 Prozent des Umsatzes entspricht. Die Mittel flossen vor allem in wachstumsstarke Technologieplattformen wie Mammalian, Drug Product, Biokonjugate sowie ausgewählte Kapazitäten in der Zell- und Gentherapie. Damit adressiert Lonza genau jene Segmente, in denen Pharma- und Biotech-Unternehmen zunehmend auf externe Partner setzen, um hohe Fixkosten und regulatorische Komplexität auszulagern.
Besondere strategische Bedeutung kommt der laut Unternehmensangaben nun „vollständig integrierten“ Großanlage im kalifornischen Vacaville zu. Der Standort stärkt Lonzas Position als größte Biologics-CDMO in den USA erheblich. Bereits 2025 trug Vacaville rund 0,6 Mrd. CHF zum Umsatz bei, ein fünfter großer kommerzieller Vertrag unterstreicht die hohe Nachfrage. Für Lonza ist das Werk ein Schlüsselasset, um Kunden zu bedienen, die ihre Lieferketten stärker regionalisieren wollen – ein Trend, der sich im Zuge geopolitischer Spannungen weiter verstärkt und der insbesondere in den USA viele Unternehmen zu hohen Investitionen in die dortigen Standorte animierte, ja, fast drängte.
„One Lonza“: Organisation als Wachstumstreiber
Mit dem Start des neuen One-Lonza-Betriebsmodells im April 2025 stellte das Unternehmen auch organisatorisch die Weichen. Die Bündelung in drei große Geschäftseinheiten – Integrated Biologics, Advanced Synthesis und Specialized Modalities – soll die Komplexität reduzieren und Kunden eine nahtlose End-to-End-Betreuung ermöglichen. Ergänzt wird dies durch zentrale Funktionen in Operations und Quality sowie ein gruppenweites strategisches Management der Betreuung besonders wichtiger Kunden.
Diese Struktur zahlt sich laut Lonza bereits aus: Die Kundenzufriedenheit lege weiter zu, und integrierte Wirkstoff-/Arzneiform-Projekte nähmen zu. Parallel baut das Unternehmen gezielt Kompetenzen in Strategie, Innovation und M&A aus, um organisches Wachstum durch selektive Akquisitionen zu ergänzen.
Marktchancen bleiben intakt – Outsourcing-Trend ungebrochen
Trotz makroökonomischer Unsicherheiten und geopolitischer Verschiebungen beurteilt Lonza die Marktchancen ausgesprochen positiv. Große Pharmaunternehmen verlagern zwar Investitionen zunehmend in die USA, verzichten aber weiterhin auf den Aufbau umfassender eigener Produktionskapazitäten. Für Biotech-Firmen bleibt Outsourcing ohnehin der Regelfall. Der ökonomische Anreiz, Entwicklungs- und Produktionsrisiken an spezialisierte CDMOs auszulagern, ist unverändert hoch.
Vor diesem Hintergrund erwartet Lonza für 2026 ein weiteres Umsatzwachstum von 11 bis 12 Prozent (CER) und eine Ausweitung der CORE-EBITDA-Marge auf über 32 Prozent. Besonders stark dürfte das Wachstum erneut im ersten Halbjahr ausfallen. Währungseffekte, insbesondere durch den schwächeren US-Dollar, werden zwar als Gegenwind gesehen, sollen die Profitabilität dank natürlicher Hedges jedoch kaum belasten.
Abschied von CHI schärft das Profil
Parallel treibt Lonza den Ausstieg aus dem Bereich Capsules & Health Ingredients (CHI) weiter voran. Die Sparte entwickelte sich 2025 operativ solide, ist strategisch jedoch nicht mehr Kernbestandteil der Vision als fokussierte CDMO. Mit einer Abspaltung stärke Lonza die Kapitalallokation zugunsten margenstarker und technologisch anspruchsvoller Geschäftsbereiche, erklärt das Unternehmen dazu.
Etwas kritischer wird von Beobachtern in der Neuen Zürcher Zeitung beurteilt, dass Lonza fast ausschließlich im Ausland investieren und wachsen wolle, während die Schweizer Heimatregion hintangestellt werde. In der NZZ klingt dies nach Krise für die Schweiz. Der Trend zu hohen Investitionen gerade in den USA, aber auch immer stärker in China von Pharmagrößen wie Novartis, Roche oder AstraZeneca kann aber auch als Aufforderung an die CDMOs gesehen werden, es diesen großen Kunden gleich zu tun. Wer nicht mitmacht, könnte ins Hintertreffen geraten.


Vetter Pharma International GmbH
Grafik: Heidelberg Pharma AG
Roche